NAD+-Substitution und Vitamin B3
Anfrage:
Es besteht die Frage, ob eine Substitution von NAD+ sinnvoll sein kann. Dazu liegen bisher keine eigenen Erfahrungen vor. Gibt es im TORRE-Haus nähere Informationen?
Antwort:
Hier die Antwort unseres pharmazeutischen Teams:
Niacin (B3):
- DGE-Referenz: 13 mg/Tag (w), 16 mg/Tag (m) im Alter von 19–25 Jahren
- Lebensmittelquellen: Leber (15–20 mg/100 g), Fleisch (7–10 mg), Fisch (3–8 mg), Vollkornprodukte (5–6 mg), Erdnüsse (15 mg), Gemüse (1–7 mg)
- Resorption: oberer Dünndarm, aktiv + passiv
- Besonderheit: Teilweise Biosynthese aus Tryptophan (z. B. tryptophanreiche Hülsenfrüchte wie Erbse, Linse, Bohne, Kichererbse)
- Nationale Verzehrstudie II: kein Hinweis auf Mangel [nur 1 % (m) und 2 % (w)]
- Risikogruppen: Migranten aus Schwarzafrika, Alkoholiker, Patienten unter 5-FU-Langzeittherapie
Bedeutung im Stoffwechsel:
- NAD+/NADH als universelles Redoxsystem im Energiestoffwechsel
- Coenzym in ca. 200 Dehydrogenase-Reaktionen (Mitochondrien: ß-Oxidation, Citratzyklus, Atmungskette → ATP-Produktion; Zytosol: Pentosephosphatzyklus)
- Auf- und Abbau von Kohlenhydraten, Fetten und Aminosäuren („Schraubenzieher des Stoffwechsels“)
- DNA-Replikation und -Reparatur
- Regulation durch Sirtuine („Anti-Aging-Enzyme“)
- Einfluss auf Lipid- und Cholesterinstoffwechsel (LDL ↓, HDL ↑, Lp(a) ↓)
Longevity-Aspekt:
- NMN (Nicotinamid-Mononucleotid) und NR (Nicotinamid-Ribosid) als Trendsubstanzen
- Studienlage widersprüchlich: bei NR bereits tierexperimentell Hinweise auf eine mögliche Zunahme von Hirnmetastasen bei dreifach negativem Mammakarzinom
- Analytik über Niacin-Metaboliten im Urin möglich
Hinweis: Unsere Empfehlungen basieren auf bestem Wissen und Gewissen sowie auf den Inhalten der regulationspharmazeutischen Ausbildung bei TORRE. Sie dienen der Unterstützung Ihrer pharmazeutischen Beratung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben keine Haftung für die Umsetzung übernehmen können.
