Mikronährstoffe bei Parkinson-Verdacht und Schlafstörungen
Anfrage:
Ein Patient befindet sich derzeit wegen Verdacht auf Morbus Parkinson in neurologischer Abklärung.
Bekannt sind:
- Vitamin D: 20 ng/ml (Zielwert ca. 50 ng/ml wird bereits angestrebt)
- tageweise Taumelschwindel (selten)
- leichter Ruhetremor
- ausgeprägte Schlafstörungen mit Albträumen sowie körperlich aktivem Schlaf (Schlagen, Treten, Sprechen)
- Einschlafen und Durchschlafen unauffällig, Schlaf jedoch nicht erholsam
Weitere Erkrankungen:
- Hypertonie
- Hypercholesterinämie
Medikation:
- ASS 100 mg
- Atorvastatin 80 mg
- Ezetimib 10 mg
- Valsacor® 80 mg
- Hygroton® 25 mg
Frage: Welche Mikronährstoffe oder Aminosäuren können bis zur gesicherten Diagnosestellung sinnvoll sein, um den Verlauf günstig zu beeinflussen sowie Schlaf und Unruhe zu verbessern?
Antwort:
Hier die Antwort unseres pharmazeutischen Teams:
1. Medikation und Mikronährstoffe
Statintherapie
Statine blockieren über die HMG-CoA-Reduktase nicht nur die Cholesterinbiosynthese, sondern auch die Bildung von Coenzym Q10 sowie der prenylierten Seitenketten funktioneller Selenoproteine.
Empfohlen wird:
- 100 mg Ubichinol täglich (zu einer fetthaltigen Mahlzeit, gerne zusammen mit Vitamin D) für 3 Monate, anschließend jeden zweiten Tag
- 200 µg Natriumselenit nüchtern für 3 Monate, anschließend jeden zweiten Tag
Coenzym Q10 ist ein essenzieller Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette (Komplex I–III). Selenoproteine wirken intrazellulär als Regulator- und Transkriptionsproteine.
Hygroton® (Chlortalidon)
Chlortalidon kann zu Verlusten von:
- Natrium
- Kalium
- Magnesium
- Spurenelementen
- wasserlöslichen B-Vitaminen
führen.
Die Kaliumwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Empfohlen wird:
- 200–250 mg Magnesium, bevorzugt abends
- Vitamin-B-Komplex in niedriger Dosierung (z. B. regulafit Vitamin-B-Komplex F), morgens für 3 Monate, anschließend jeden zweiten Tag
Weitere sinnvolle Analytik
- Mineralstoffanalyse aus Kopfhaar (Magnesium, Zink, Selen, Spurenelemente)
- Omega-3-Index
Aufgrund der antientzündlichen Wirkung auf Neuronen, Gefäßendothel und Lipidstoffwechsel werden 2 g Omega-3-Fettsäuren täglich, z. B. als Norsan-Öl, empfohlen.
2. Parkinson-Verdacht
Weitere ergänzende Blutuntersuchungen
A. Eisenstatus (besonders wichtig)
Bestimmung von:
- Hb
- Ferritin
- Transferrinsättigung
- CRP
Eisen ist essenziell für die Dopaminbiosynthese, insbesondere für die Tyrosinhydroxylase (Umwandlung von Tyrosin zu L-Dopa).
Bei einem Eisenmangel sollte eine zügige Auffüllung – gegebenenfalls intravenös – erfolgen, mit einem Ferritin-Zielwert von etwa 100 ng/ml.
B. Vitamin B12
Bestimmung des HOLO-TC (aktives Vitamin B12).
Werte unter 35 pmol/l sprechen für einen Mangel.
Vitamin B12 ist wichtig für den Abbau von Homocystein und für die neuronale Funktion.
Sollte später eine Therapie mit Levodopa, Metformin oder Protonenpumpenhemmern erfolgen, ist das Risiko eines Vitamin-B12-Mangels erhöht.
Gegebenenfalls zusätzlich Methylmalonsäure (MMA) bestimmen.
C. Senioren
Im höheren Lebensalter treten Vitamin-B12-Mängel aufgrund einer verminderten Bildung von Intrinsic Factor und Resorptionsstörungen häufiger auf.
D. Therapie eines Vitamin-B12-Mangels
Bei nachgewiesenem Mangel:
- 4–6 Injektionen Hydroxocobalamin 1000 µg i.m. oder s.c., einmal wöchentlich
- anschließend alle 3 Monate eine Erhaltungsinjektion
Kontrolle nach einem Jahr mittels HOLO-TC.
Eine orale Erhaltungstherapie mit Tropfen oder Lutschtabletten ist anschließend möglich.
E. Lipidstatus
Neben LDL, HDL, Non-HDL und Triglyceriden sollte zusätzlich Apolipoprotein B (ApoB) bestimmt werden.
F. Schilddrüse
Bestimmung von:
- TSH
- T3
- T4
G. Leberwerte
Bestimmung von:
- γ-GT
- GPT
- GOT
- GLDH
3. Aminosäuren bei Schlafstörungen
Als unterstützende Maßnahme kann ein Schlafkomplex mit Aminosäuren eingesetzt werden.
Beispielsweise enthält der Kyberg Aminoplus Schlafkomplex:
- 1 mg Melatonin
- 5-HTP aus Griffonia
- Magnesium
- aktiviertes Vitamin B6
- Glycin
- Taurin
Diese Kombination unterstützt die Serotonin- und Melatoninbiosynthese sowie die Glutathionbildung in Neuronen und Mitochondrien.
Zusätzlich können 200–250 mg Magnesium am Abend sinnvoll sein.
Wichtiger Hinweis: Sollte später Levodopa eingesetzt werden, sollte Vitamin B6 nicht zusätzlich gegeben werden, da es die periphere Umwandlung von L-Dopa zu Dopamin beschleunigt und dadurch die Wirkung des Decarboxylasehemmers vermindern kann.
Hinweis: Unsere Empfehlungen basieren auf bestem Wissen und Gewissen sowie auf den Inhalten der regulationspharmazeutischen Ausbildung bei TORRE. Sie dienen der Unterstützung Ihrer pharmazeutischen Beratung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben keine Haftung für die Umsetzung übernehmen können.
