Vitamin-D-Mangel unter Lithiumtherapie - TORRE GmbH

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Fallnummer: 48

Vitamin-D-Mangel unter Lithiumtherapie


Anfrage:

Eine etwa 40-jährige Kundin stellte sich mit einem Infekt (Husten und Halsschmerzen) vor und berichtete über einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Dieser wurde bestimmt, da sie in letzter Zeit infektanfälliger war.

Der gemessene Wert betrug 27, allerdings ist nicht bekannt, ob die Einheit ng/ml oder nmol/l war.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie seit 11 Jahren Hypnorex® 800 mg (Lithium), 1 Tablette täglich, einnimmt.

Frage: Kann ein Zusammenhang zwischen der Lithiumtherapie und dem niedrigen Vitamin-D-Wert bestehen oder ist der Wert eher jahreszeitlich bedingt?

Antwort:

Hier die Antwort unseres pharmazeutischen Teams:

  1. Vitamin-D-Wert

Bei 27 ng/ml läge ein Vitamin-D-Defizit vor (20–30 ng/ml).

Bei 27 nmol/l entspräche dies 10,8 ng/ml und damit einem schweren Vitamin-D-Mangel (<12 ng/ml).

Die Einheit macht daher einen entscheidenden Unterschied. Eine Kopie des Laborbefundes sollte angefordert werden.

  1. Lithium und Vitamin D

Lithium verursacht keinen direkten Vitamin-D-Mangel, beispielsweise durch einen beschleunigten Abbau über Cytochrom-P450-Enzyme.

  1. Lithium und Nebenschilddrüse

Lithium kann die Nebenschilddrüsenfunktion beeinflussen und zu einem erhöhten Parathormonspiegel (PTH) führen.

Ein lithiuminduzierter Hyperparathyreoidismus erhöht – insbesondere bei gleichzeitigem Vitamin-D-Mangel – das Risiko für Osteomalazie oder Osteoporose.

  1. Depressionen und Vitamin D

Ein Vitamin-D-Mangel mit Werten unter 20 ng/ml wird bei Depressionen und bipolaren Störungen häufiger beobachtet.

  1. Jahreszeit oder dauerhafter Mangel

Ob der niedrige Wert jahreszeitlich bedingt ist oder ein genereller Vitamin-D-Mangel besteht, lässt sich anhand der vorliegenden Angaben nicht beurteilen.

  1. Empfohlene Kontrollen unter Lithium

Neben dem Lithiumspiegel sollten regelmäßig kontrolliert werden:

  • Calcium
  • Parathormon (PTH)
  • Vitamin D
  • TSH
  • T3
  • T4

Grund ist die mögliche Beeinflussung von Nebenschilddrüse und Schilddrüse durch Lithium.

  1. Vitamin-D-Empfehlung

Bei 27 ng/ml und normalem Calciumspiegel:

  • 10.000–14.000 I.E. Vitamin D pro Woche
  • z. B. 5–7-mal pro Woche 2.000 I.E.
  • Zielwert: 30–40 ng/ml
  • anschließend Kontrolle

Bei 27 nmol/l (= 10,8 ng/ml):

  • 4.000 I.E. Vitamin D täglich für 3 Monate
  • anschließend 1 Woche Pause
  • danach erneute Vitamin-D-Bestimmung
  1. Bei auffälligem Calcium

Bei Hypo- oder Hyperkalzämie sollte die Betreuung hinsichtlich PTH, Vitamin D und Schilddrüsenfunktion durch einen Endokrinologen erfolgen.

  1. Zielwert und Verlaufskontrollen

Angestrebt wird ein Vitamin-D-Spiegel um 40 ng/ml.

Empfohlen werden zwei Kontrollen pro Jahr:

  • Frühjahr
  • Herbst (Ende September/Anfang Oktober)

Hinweis: Unsere Empfehlungen basieren auf bestem Wissen und Gewissen sowie auf den Inhalten der regulationspharmazeutischen Ausbildung bei TORRE. Sie dienen der Unterstützung Ihrer pharmazeutischen Beratung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben keine Haftung für die Umsetzung übernehmen können.

Kategorien: Analytik NEM Psychische Gesundheit Vitamin-D