Fuldaer NutriNAIL-Studie: Was Fingernägel über Ernährung und Mikronährstoffe verraten

Neue Perspektive für die Mikronährstoff-Beratung in der Apotheke

Fingernägel werden bislang vor allem zur Untersuchung von Schadstoffbelastungen genutzt. Die Fuldaer NutriNAIL-Studie (2025) zeigt jedoch, dass sie auch interessante Hinweise auf Ernährungsgewohnheiten, Supplementeinnahmen und den Mikronährstoffstatus liefern können.

Die Forschenden konnten nachweisen, dass bestimmte Mineralstoffmuster in Fingernägeln mit Ernährung, Nahrungsergänzungsmitteln und sogar sichtbaren Nagelveränderungen zusammenhängen.

Die Studie auf einen Blick

An der Querschnittsstudie nahmen 184 Erwachsene aus Deutschland teil. Untersucht wurden die Mineralstoffgehalte in Fingernägeln sowie deren Zusammenhang mit:

  • Ernährungsweise
  • Nahrungsergänzungsmitteln
  • Gesundheitszustand
  • Lebensstilfaktoren
  • Nagelstruktur und Nagelveränderungen

Die Analyse erfolgte mittels hochpräziser ICP-MS-Messung (Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry).

Selen steht besonders im Fokus

Das auffälligste Ergebnis der Studie betrifft Selen:

Nahrungsergänzung zeigt messbare Effekte

Teilnehmer, die Selen supplementierten, wiesen im Durchschnitt 18–21 % höhere Selenwerte in den Fingernägeln auf als Personen ohne Supplementierung.

Für die Praxis bedeutet das: Die langfristige Versorgung mit Selen scheint sich in der Nagelstruktur nachweisen zu lassen.

Ernährungsform beeinflusst den Selenstatus

Auch die Ernährungsweise spielte eine Rolle:

  • Omnivore Teilnehmer zeigten die höchsten Selenwerte.
  • Vegetarier lagen etwas niedriger.
  • Veganer wiesen die niedrigsten Selenkonzentrationen auf.

Damit bestätigt die Studie einen Aspekt, der auch aus der Mikronährstoff-Beratung bekannt ist: Bei rein pflanzlicher Ernährung sollte die Selenversorgung besonders im Blick behalten werden.

Schilddrüsenerkrankungen und Selen

Teilnehmer mit einer Schilddrüsenerkrankung hatten ebenfalls höhere Selenwerte in den Nägeln. Die Autoren vermuten, dass dies auf eine gezielte Supplementierung zurückzuführen sein könnte, da Selen häufig im Zusammenhang mit Schilddrüsenbeschwerden empfohlen wird.

Fingernägel spiegeln den Lebensstil wider

Die Untersuchung zeigte, dass Fingernägel deutlich mehr Informationen enthalten können als bisher angenommen.

Interessant war insbesondere die Beobachtung, dass sich verschiedene Mineralstoffe gegenseitig beeinflussen:

  • Natrium und Kalium zeigten die stärkste positive Korrelation.
  • Auch Calcium und Magnesium standen in engem Zusammenhang.
  • Eisen und Cobalt wiesen ebenfalls ähnliche Muster auf.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Mikronährstoffe nicht isoliert betrachtet werden sollten, sondern in komplexen Wechselwirkungen stehen.

Was Nagelveränderungen verraten könnten

Besonders interessant für die Beratung in Ihrer Apotheke: Sichtbare Nagelveränderungen standen teilweise mit veränderten Mineralstoffkonzentrationen in Zusammenhang.

Die Forscher fanden unter anderem:

Brüchige Nägel

Personen mit brüchigen Nägeln hatten niedrigere Kaliumwerte.

Längsrillen

Teilnehmer mit Längsrillen zeigten reduzierte Natrium- und Kaliumkonzentrationen.

Weiße Flecken

Bei weißen Flecken auf den Nägeln wurden niedrigere Chromwerte gemessen.

Die Autoren betonen jedoch, dass daraus keine diagnostischen Rückschlüsse gezogen werden können. Die Ergebnisse liefern vielmehr interessante Hinweise für weitere Forschung.

Fingernägel als langfristiger Biomarker

Ein weiterer wichtiger Befund: Während sich die Mineralstoffwerte zwischen verschiedenen Personen teilweise stark unterschieden, blieben sie innerhalb derselben Person über mehrere Monate relativ stabil.

Das macht Fingernägel zu einem potenziell interessanten Biomarker für die längerfristige Versorgung mit ausgewählten Mineralstoffen – möglicherweise sogar aussagekräftiger als kurzfristige Momentaufnahmen.

Relevanz für die Apothekenpraxis: Mineralstoffversorgung gezielt betrachten

Die Ergebnisse der Fuldaer NutriNAIL-Studie sind insbesondere für die individuelle Mineralstoffberatung in der Apotheke interessant. Denn die Untersuchung zeigt, dass sich Unterschiede in der Versorgung mit bestimmten Mineralstoffen – unter anderem bei Selen – in den Fingernägeln widerspiegeln können.

Genau hier kann eine Mineral-Analyse einen interessanten Ansatz für die Beratung bieten: Statt ausschließlich einzelne Symptome oder Ernährungsgewohnheiten zu betrachten, lässt sich die Mineralstoffversorgung ganzheitlicher in den Blick nehmen. Die Analyse kann dabei Hinweise auf die Versorgung mit ausgewählten Mineralstoffen und Spurenelementen liefern und damit als Grundlage für ein anschließendes Beratungsgespräch dienen.

Fuldaer NutriNAIL-Studie Studienergebnisse